Der Beginn der klassischen Musik

In der deutschen Umgangssprache ist die zeitliche Klammer sehr weitgefasst, wenn wir von klassischer Musik reden, generell meint man zumeist Alte Musik, die zeitlich etwa im 9. Jahrhundert beginnt und eigentlich unter Musik des Mittelalters fällt, bis hin zur Musik der Romantik, also bis ins frühe 20. Jahrhundert. Das ist eine sehr lange Zeitspanne.

Alte Musik

Musik des Mittelalters

Darunter versteht man die wirklich Frühe Musik. Diese lässt sich zeitlich etwa ab dem 9. Jahrhundert verorten. Hier sind zumeist die Gregorianischen Gesänge bekannt. Benannt sind diese nach Papst Gregor I., der die Choräle vom Heiligen Geist empfangen haben soll.

Der Choral war zu jener Zeit ein fester Bestandteil der christlichen Liturgie und wurde vor allem bei Messen oder beim Stundengebet eingesetzt. Hier handelte es sich zumeist um monophone, also einstimmige Musik, die noch heute vor allem in orthodoxen Kirchen praktiziert wird. Erst nach und nach wechselte die Gesangs-Praxis zu polyphonen Kompositionen. In der karolingischen Zeit werden verschiedene Erweiterungen zu den gregorianischen Chorälen eingeführt, die frühen Anfänge der Mehrstimmigkeit, vor allem in zweistimmiger Form, sind hier zu finden. Es war Hucbald von Saint-Amand, der feste Regeln für zwei und mehr Tonreihen einführte.

Eine kleine Revolution gab es in der Musikgeschichte mit Guido von Arezzo im 11. Jahrhundert. Er reformierte die Musik durch die Einführung einer einheitlichen Notenschrift. Er nutzte erstmals vier Linien und deren Zwischenräume, um das Steigen und Abfallen der Töne zu verdeutlichen.

Schule von Notre-Dame

Die Schule von Notre-Dame und der Minnesang sind zeitlich zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert einzuordnen. Im ausgehenden 12. Jahrhundert nahm die mehrstimmige Komposition mehr und mehr zu. Was bisher keine große Rolle spielt, trat nun in den Vordergrund, der Rhythmus musste bestimmt werden. Der Erste, der hier feste Regeln schuf, war Franco von Köln Ende des 13. Jahrhunderts.

Gleichzeitig gab es den Minnesang an den königlichen Höfen, der sich nach und nach mit der Musik der Bürgerlichen mixte, das Verstehen von Dicht- und Tonkunst fand einen breiteren Rahmen. Resultat waren die bekannten Schulen der Meistersinger, zum Beispiel in Nürnberg.

Ars Nova

Zum Ende des 13. Jahrhunderts wurde die Musik vielfältiger. In Schriften von Marchettus von Padua und Johannes de Muris findet sich das Verbot von Quinten- und Oktavenparallelen, das bis heute Gültigkeit hat. Außerdem findet sich in ihren Schriften zum ersten Mal die Erwähnung des Kontrapunkts.

Doch erst im 14. Jahrhundert entfaltete sich die mehrstimmige Musik zur vollen Blüte. Musik wurde jetzt auch an den Universitäten und Klosterschulen intensiv praktiziert. Der Volksgesang wurde Inspiration für die melodische Seite vieler Kompositionen. Themen der Dichtungen wurden mehr volkstümlich. Es war Josquin des Pres, der Anfang des 16. Jahrhunderts schließlich die Strenge des Kontrapunktes überwand und freier komponierte. Martin Luther nannte ihn nicht ohne Grund den „Meister der Noten.“